NABU: „Klage des Holzenergie-Fachverbands gegen FSC völlig daneben“

Holzwirtschaft sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt / Vater der Nachhaltigkeit Carlowitz würde sich im Grabe umdrehen

Stuttgart – Als „reine Effekthascherei und völlig daneben“ kritisiert der NABU Baden-Württemberg die Verfassungsbeschwerde des Holzenergie-Fachverbands Baden-Württemberg (HEF) gegen die anstehende FSC-Zertifizierung des baden-württembergischen Staatswaldes. Bereits der Einladungstext zur morgigen Pressekonferenz dokumentiere, dass es dem HEF offenbar nicht um eine faktenbasierte Diskussion, sondern ganz banal um die Diskreditierung der Waldzertifizierung und des Nachhaltigkeitsgedankens gehe.

So behaupte der HEF etwa, dass zukünftig weder Bürgerinnen und Bürger noch Scheitholzhändler ausreichend Brennholz aus dem Staatswald bekämen. „Das ist unseriös und reine Panikmache“, sagt Johannes Enssle, Waldreferent beim NABU-Baden-Württemberg. „Fakt ist: FSC regelt lediglich, dass Äste und Baumkronen im Wald bleiben, die dünner als sieben Zentimeter sind. Stärkeres Holz ist gar nicht betroffen. Daraus eine Brenn- und Scheitholz-Krise zu konstruieren, ist abenteuerlich.“

Zudem gebe es – anders als vom HEF behauptet – schlagende Argumente dafür, dieses dünne Holz im Wald zu belassen. Rund 90 Prozent der Nährstoffe der Bäume sind in diesem sogenannten Waldrestholz gebunden. Es aus dem Wald zu entfernen und damit dem Wald die Nährstoffe zu rauben und den Humusaufbau zu sabotieren, wäre daher fatal. „Wohin das führt, haben wir bereits im Mittelalter gesehen: Damals wurden die Wälder radikal leergefegt. Die Folge waren devastierte und verarmte Böden und kranke Wälder“, erklärt Enssle. Von nachhaltiger Waldwirtschaft könne da nicht mehr die Rede sein. „Mit ihrer Forderung, auch den letzten Zweig zu verbrennen, sägt die Holzenergiewirtschaft an dem Ast, auf dem sie sitzt. Der Vater der forstlichen Nachhaltigkeit, Hans Carl von Carlowitz, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er die Forderungen des HEF hören könnte.“

Auch aus ökologischen Gründen sei es extrem wichtig, das dünne Holz im Wald zu belassen. Viele Tierarten seien darauf angewiesen. So nutzen etwa mehr als 500 an Totholz gebundene Käferarten Holz, das dünner als sieben Zentimeter ist, als Nahrungs- und Entwicklungssubstrat. Das sind rund 30 Prozent aller in Mitteleuropa vorkommenden Holzkäfer. Aus Sicht des NABU dokumentiere der HEF mit seiner Klage, dass ihm Ökologie und Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft egal sind.

NABU-Waldreferent Enssle ist einer von zwei gewählten Vertretern der Umweltorganisationen im bundesweiten Richtlinienausschuss des FSC-Deutschland, in dem die Inhalte des FSC-Standards zusammen mit Waldbesitzern, Wirtschaftsunternehmen und Gewerkschaften entwickelt werden. „Wenn der Holzenergie-Fachverband mit den FSC-Regularien unzufrieden ist, sollte er bei FSC mitarbeiten und die Regeln mitgestalten, statt nur lautstark zu poltern.“

Für Rückfragen:

– Johannes Enssle, NABU-Waldreferent, 0711 / 966 72-27 oder 0177 714 9387