NABU: Neue Waldbaurichtlinie ist wichtiger Forstschritt

„Waldbautrainer“ sollen Umsetzung unterstützen / „Carlowitz wäre stolz auf ForstBW“

Als wichtigen Schritt in die richtige Richtung bezeichnet der NABU die heute (8.5.) vorgestellte neue Waldbaurichtlinie des Landes Baden-Württemberg. „Für die Vögel, Käfer und Bäume im Wald zählt, dass die neue Richtlinie Naturschutzbelange deutlich besser berücksichtigt als zuvor. Das ist ein wichtiger Fortschritt“, sagt der Vorsitzende des NABU Baden-Württemberg, Andre Baumann. „ForstBW hat das Jubiläumsjahr des forstlichen Nachhaltigkeitsbegriffs 2013 gut genutzt – Kompliment. Carlowitz wäre stolz auf ForstBW.“ Von Carlowitz hatte 1713 den Begriff „Nachhaltigkeit“ definiert. Jetzt komme es darauf an, dass die Richtlinie von den Förstern im Wald umgesetzt wird und das Land sie dabei unterstützt.

Dazu fordert der NABU ForstBW auf, „Waldbautrainer“ einzusetzen. „Wie in anderen Bundesländern sollen die Waldbautrainer Fortbildungen für Förster und Waldarbeiter ausrichten und ihnen beratend zur Seite stehen“, erklärt NABU-Waldreferent Johannes Enssle. Der NABU geht davon aus, dass ein Trainer sich dabei über ein bis zwei Monate in einem Landkreis aufhält, um das waldbauliche Know-how und neue Erkenntnisse aus der Waldökologie an die Revierförster weiterzugeben.

Aus NABU-Sicht ist es zentral, dass die Trainer auch in Fragen des Waldnaturschutzes fit sind. „Zwischen Waldnaturschutz und Waldbau gibt es inzwischen so viele Berührungspunkte, dass beide Themen zusammen gedacht und vermittelt werden müssen. Eigentlich müssten diese Fachkräfte dann richtigerweise ‚Waldökosystem-Trainer‘ heißen“, sagt Enssle. Sechs Trainer könnten aus Sicht des NABU ausreichen, um das gesamte Land abzudecken.

Mit der Waldbaurichtlinie – oder korrekter: Waldentwicklungstypen-Richtlinie – regelt das Land für den Staatswald verbindlich, wie verschiedene Waldtypen bewirtschaftet werden. So müssen zukünftig etwa Buchen- und Tannenwälder als Dauerwald bewirtschaftet werden. Für den Kommunal- und Privatwald wird der Dauerwald ebenso empfohlen, die Entscheidung verbleibt aber bei den Eigentümern. Eine dauerwaldartige Bewirtschaftung setzt auf naturnahe, kleinflächige Waldstrukturen und verzichtet auf kahlschlagartige Räumungshiebe in alten Waldbeständen.

Positiv wertet der NABU auch das Beteiligungsverfahren des Landes zur Erarbeitung der Waldbau-Richtlinie. Bei vier regionalen Workshops und einer Online-Beteiligung sind die unterschiedlichen Interessen in die Entwicklung der Waldbau-Richtlinie eingeflossen.

Für Rückfragen:
– Johannes Enssle, NABU-Waldreferent, 0177 / 714 93 87
– Dr. Andre Baumann, NABU-Landesvorsitzender, 0162 / 93 86785